Gemeinschaftsfest 2015

Wie Gemeinschaft gelingen kann. Workshops und Referate im Diakonissenhaus Riehen

Rund 120 Personen aus der ganzen Schweiz und aus dem süddeutschen Raum fanden am vergangenen Samstag zum Gemeinschaftsfest im Diakonissenhaus Riehen zusammen. Was sie verband, war das Interesse am Thema «Gemeinschaft». Ob sie bereits in einer solchen Wohnform lebten oder sich einfach nur darüber informieren wollten: Hier gab es die Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen. Organisiert wurde der Anlass von der Fachstelle Gemeinschaftliches Leben des Vereins Offene Tür, Gastgeberin war die Kommunität Diakonissenhaus Riehen.

Am Samstagmorgen trafen sich vorgängig 18 Personen im Gemeinschaftshaus Moosrain zum Workshop «Gründungsprozesse». Der Schwerpunkt lag auf fachlichen Gesprächen über die konkreten Fragen und Herausforderungen von Menschen, die bereits im Gründungsprozess einer Gemeinschaft stehen. Thomas und Irene Widmer-Huber, Leiter der Fachstelle Gemeinschaftliches Leben und des Gemeinschaftshauses Moosrain, boten den Workshop an und gaben kurze Inputs. «Ich habe mich gefreut zu hören, dass ihr nach über 20 Jahren

Erfahrung im gemeinschaftlichen Leben immer noch so begeistert seid!», sagte eine junge Frau in der Schlussrunde.

Schematherapie als Hilfe

Doch was, wenn im gemeinsamen Miteinander Konflikte auftauchen, wenn Mitbewohner «schwierig» sind? Wenn man sich übereinander ärgert? Um die Frage, wie das Zusammenle- ben in einer Gemeinschaft konkret gelingen kann, ging es am Nachmittag. «Gestillte Seelenstürme – himmlische Beziehungen in Gemeinschaft leben» lautete der Titel des Referats von Luca Hersberger, Psychiater und Schematherapeut, und Regin Selinger, Seelsorgerin Isarpac mit Ausbildung in Schematherapie. «Schematherapie hilft, uns besser zu verstehen. Viele Konflikte, gerade auch in Gemein- schaft, lassen sich so lösen», sagte Hersberger. Im etwas über einstündigen Vortrag wurden die Teilnehmer in die Grundlagen des Schema-Modells eingeführt. Die Psychotherapie-Richtung, die von Jeffrey Young entwickelt wurde, kombiniert bewährte Elemente aus verschiedenen Therapierichtungen mit emotionsaktivierenden Techniken.

Der Vortrag bestand aber nicht nur aus trockener Theorie. Immer wieder forderten die Referenten die Zuhörer mit praktischen Übungen heraus. Erweitert wurde das Modell dann um einen christlichen Ansatz, mit Bibelstellen und der Frage: Was spielt Gott für eine Rolle bei unseren ungestillten Bedürfnissen und schwierigen Mustern? «Er ist derjenige, der unsere Bedürfnisse kennt und sie stillen will und kann», betonte Luca Hersberger. Nebst der Wissensvermittlung gab es auch immer wieder viel zu lachen, etwa als Regin Selinger beim Zeigen auf eine Grafik fragte: «Was macht ein Mensch in dieser Situation, wenn er noch kein Schema-Modell kennt?» Mitnehmen konnten die Teilnehmenden schließlich auch etwas Praktisches: Viele bestellten eine Zusammenfassung des Referats oder das geplante Buch von Luca Hersberger.

Das Grillfest als Abschluss des Festes bot die Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen und über das Leben in Gemeinschaft oder das Schemamodell ins Gespräch zu kommen.

Sonja Furter

Quelle: Riehner Zeitung

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